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Kazan'

Allgemeine Informationen
Geschichte
Religion
Wirtschaft und Verkehr
Sehenswürdigkeiten

Allgemeine Informationen

Die Millionenstadt Kazan' liegt ungefähr 750 Kilometer östlich von Moskau am Zusammenfluss von Wolga und Kazanka. Die Stadt wurde im Jahre 1005 von Wolgabulgaren gegründet und ist heute die Hauptstadt der zur Russischen Föderation gehörenden autonomen Republik Tatarstan. In der Region herrscht gemäßigtes Kontinentalklima, mit kalten Wintern (bis -30°C) und warmen Sommern. Kazan' ist eine multireligiöse Stadt, die das Zentrum vieler Religionen darstellt. Vor allem der Islam ist prominent in der Stadt vertreten: Über die Hälfte der Bevölkerung besteht aus Tataren, die ursprünglich der muslimischen Religion angehören. 2005 wurde dort die größte Moschee Europas eröffnet. Wirtschaftlich spielt, neben der Förderung von Erdöl und Erdgas, die Maschinen- und Textilindustrie eine wichtige Rolle für die Region. Die Stadt beherbergt eine der ältesten Hochschulen in der Russischen Föderation. Die 1804 gegründete Staatliche Kazaner Universität trug in entscheidendem Maße dazu bei, dass Kazan seit dem 19.Jahrhundert als Zentrum von Bildung und Wissenschaft in Russland bekannt ist. An ihr studierten unter anderem Lev N. Tolstoi und Vladimir I. Lenin.

Geschichte

Obwohl nachweislich schon in der Bronzezeit Menschen in dieser Region siedelten, gilt das Jahr 1005 als offizielles Gründungsdatum der Stadt. Zu dieser Zeit lag die Stadt an der Nordgrenze des bulgarischen Reiches und wurde bald zu einem wichtigen Handelszentrum. Nachdem Kazan' im 13. Jahrhundert Teil des Reiches der Goldenen Horde war, wurde die Stadt 1438 Hauptstadt des Khanats Kazan'. Zu dieser Zeit wurde auch der heute über die Grenzen Russlands hinaus bekannte Kreml erheblich ausgebaut. Nach der Eroberung Kazans durch Iwan den Schrecklichen 1552 wurde die Stadt Teil des Russischen Reiches und wuchs in den folgenden Jahrhunderten zu einer der wichtigsten Städte des Imperiums heran. Ein weltbekanntes Zeugnis dieser Eroberung ist die Basiliuskathedrale auf dem Roten Platz in Moskau. Diese ließ der Zar zu Ehren der Eroberung Kazans erbauen.
Nach der Machtübernahme durch die Bolschewiki im September 1918 verließen ca. 60.000 der damals 200.000 Einwohner die Stadt. Erst in den 30er Jahren kamen die Menschen wieder in die Stadt zurück und die Bevölkerung wuchs bis 1940 auf 400.000 Einwohner an. Die Millionengrenze wurde 1979 erreicht. Am Anfang des 21. Jahrhunderts leben ca. 1,1 Millionen Menschen in der Stadt. Die Bevölkerung besteht heute aus 52% Tataren, 38% Russen, 2% Tschuwaschen, sowie aus einer kleinen Anzahl Ukrainern, Baschkiren und anderen Nationalitäten.

Wappen Kazans
Das Wappen der Stadt Kazan'

Religion

Die Präsenz verschiedener Religionen gibt der Stadt einen besonderen Reiz. Zahlreiche Kirchtürme und Minarette prägen das heutige Stadtbild. Neben Russlands größter Glaubensgemeinschaft, der Russisch-Orthodoxen Kirche, spielt vor allem der Islam eine wichtige Rolle (ca. 30% der Einwohner bekennen sich zu dieser Weltreligion). Bis zur Eroberung durch Iwan den Schrecklichen war die Stadt vor allem islamisch geprägt. Unmittelbar nach dem Sieg des Zaren wurden zahlreiche Moscheen niedergebrannt und die Russisch-Orthodoxe Kirche etablierte sich in der Stadt. Erst im 18. Jahrhundert hob Katharina II. bei ihrem Besuch der Stadt das Verbot auf, Moscheen zu errichten, woraufhin zahlreiche Moscheen wieder aufgebaut wurden. 1996 wurde, auf Erlass des Präsidenten der Republik Tatarstan, mit dem Bau der Kul-Scharif Moschee innerhalb der Kremlmauern begonnen. 2005, rechtzeitig zum 1000-jährigen Jubiläum der Stadt, wurde dann die größte Moschee Europas fertig gestellt. Sie steht ungefähr an der Stelle innerhalb des Kremls, an der bis zur Eroberung der Stadt 1552 eine Moschee mit demselben Namen stand.

Wirtschaft und Verkehr

Auch wenn die Landwirtschaft nach wie vor eine große Rolle für die Wirtschaft der Region spielt, hat sich Kazan' längst als bedeutender Industriestandort innerhalb der Russischen Föderation etabliert. Neben der Textil- und Lebensmittelindustrie ist die Stadt vor allem für ihre beiden Flugzeugwerke international bekannt. In den letzten Jahren profitierte die rohstoffreiche Region von der international steigenden Nachfrage nach Öl und Gas und gilt heute als eine der reichsten Regionen in der Russischen Föderation. Ebenfalls zum 1000-jährigen Jubiläum der Stadt wurde eine Untergrundbahn mit fünf Stationen in Betrieb genommen. Ein weiterer Ausbau des Metronetzes ist für die kommenden Jahre geplant.

Kazaner Kreml'
Der Kazaner Kreml

Sehenswürdigkeiten

Die Hauptattraktion der Stadt ist ohne Zweifel der 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärte Kreml am Ufer der Kazanka. Neben der neu errichteten Kul-Sharif Moschee beherbergt der Kreml auch die ebenfalls 2005 restaurierte Maria-Verkündigungs-Kathedrale, sowie zahlreiche Museen und Regierungsgebäude.
Auch das eigentliche Wahrzeichen der Stadt befindet sich innerhalb der zum Teil noch aus dem 16. und 17. Jahrhundert stammenden Kremlmauern. Der sagenumwobene Sujumbike-Turm ist nach einer Prinzessin benannt, die im 16.Jahrhundert mit drei erfolgreichen Khanen verheiratet war. Einer Legende nach (es existieren mehrere) wollte Iwan der Schreckliche Sujumbike nach der Eroberung Kazans 1552 zu seiner Frau machen. Diese stimmte unter der Bedingung zu, dass der Zar es schaffe, innerhalb von sieben Tagen ein Turm zu errichten, der höher sein sollte als alle anderen Bauwerke im Kreml. Zum Unglück der Prinzessin errichtete der Zar in sieben Tagen den 59 Meter hohen Turm, der alle Gebäude im Kreml überragte. Um jedoch der Hochzeit zu entgehen, bestieg Sujumbike den Turm und stürzte sich hinab. Im Laufe der Zeit neigte sich der Turm und erst nach baulichen Befestigungsmaßnahmen zu Beginn der 90er Jahre steht der Turm heute, mit einer Neigung von 1,9 m, wieder fest.
Auch außerhalb der Kremlmauern befinden sich viele sehenswerte Orte, wie das Nationalmuseum der Republik Tatarstan, die Peter und Paul-Kathedrale, sowie viele kleinere Moscheen und Kirchen.

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© Projekt Kazan'. Letzte Aktualisierung 29.03.08